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Flechten ungeeignet

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Hamburg, den 2.2.2008

Flechten als kurzfristiger Schadstoff-Bioindikator ungeeignet


Flechten und Moose stellen einen möglichen Bioindikator von Umweltbelastungen
dar. Gegen die Einbeziehung von Bioindikatoren als Ersatz einer geforderten
Vorbelastungsuntersuchung in Korbach spricht nach Auffassung des Hamburger
Umweltberatungsbüros “Umweltnetzwerk“ jedoch folgende Tatsachen:

In der Region Korbach wurden nachweislich häufige Inversionswetterlagen
registriert, die einen verringerten Luftaustausch zur Folge haben. Dies wurde von
der Landesregierung kürzlich bestätigt. Bei diesen Wetterlagen reichern sich
Schadstoffe vom Verkehr, Industrie bis zum Hausbrand vermehrt in dieser Region
an. Ebenfalls muss berücksichtigt werden, dass über den Luftpfad Feinstäube als
Hintergrundbelastungen in Deutschland bereits erhöht und ubiquitär vorhanden sind.

Die Ergebnisse von Messungen über Bioindikatoren sind durch Streueinflüsse von
weiteren Schadstoffen gegenüber den Belastungen aus der geplanten
Abfallverbrennungsanlage ebenso wenig abgrenzbar, wie die seit 100 Jahren am
Standort erfolgte Produktion der Fa. Continental. Sie sind somit ungeeignet. Dieser
Auffassung hat sich ebenfalls das Landesumweltamt in NRW angeschlossen, das
nach mehreren Jahren Universitätserforschung die Verwendung von Flechten und
Moosen als Schadstoffnachweis bei Inbetriebnahme von Industrie-und
Feuerungsanlagen für ungeeignet erklärte. (LUA 1999)

Zudem kommt die Flechten-Professorin Windisch selber zur bereits bei seriösen
Wissenschaftlern bekannten Erkenntnis, das die Bioindikatoren eine langfristige
Erfassung von mehreren Jahren voraussetzen, um Umweltbelastungen überhaupt
aufzeigen zu können. Selbst dann sind die Ergebnisse nicht gerichtsverwertbar,
nutzen somit eher dem schlechten Gewissen willfähiger Politiker aus Korbach, als
dem Nachweis von Umweltbelastungen.

Die Politiker Korbachs fordern jedoch statt einer Vorbelastungsuntersuchung eine
kurzfristige Messung, deren Ergebnisse noch vor der für dieses Jahr geplanten
Inbetriebnahme des MVA-Ersatzbrennstoffheizkraftwerkes Korbach vorliegen sollen.
Diese nicht nachvollziehbaren Widersprüche kann nur die unzureichende und
zugunsten der Abfallverbrennung zustimmende Politik in Korbach aufklären.

Gefragt ist stattdessen eine Vorbelastungsuntersuchung, wie sie nach
Qualitätskriterien und den Ansprüchen auch von der Gesundheitsbehörde des
Landes Hessen amtlich anerkannt und aussagekräftig sind, die Schadstoffe zu
erfassen, die durch 100 Jahre industrieller und umweltschädigender
Reifenproduktion von Continental, u.a. bei Einsatz von chlorierten
Kohlenwasserstoffen unweigerlich zu Lasten der Bevölkerung der Region Korbachs
sowie seiner Trinkwassergewinnung gingen.

Das Hamburger Umweltnetzwerk war im Rahmen des Genehmigungsverfahrens zur
MVA Korbach für das Aktionsbündnis und für die „Bürgerinitiative für ein
lebenswertes Korbach e.V.“ mehrfach als Gutachter und Sachbeistand tätig.

Klaus Koch / Umweltnetzwerk
-Büro für Umweltfragen
21029 Hamburg
Wetteringe 8
Tel: 040 -599 811 / Mobil: 0173 -63 222 30
E-mail: umweltnetzwerk@alice-dsl.de

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