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Überkapazitäten

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PROGNOS: Zehn Millionen Tonnen Überkapazitäten bis 2015

Zwei Jahre nach Einführung des Deponieverbots für unbehandelte Siedlungsabfälle durch die TASi zeichnet sich mehr und mehr ab, dass den zeitweisen Engpässen 2005 bald schon Überkapazitäten folgen werden. Die Unternehmen der deutschen Entsorgungswirtschaft haben in jüngster Zeit erheblich in mechanisch-biologische Behandlungsanlagen, Müllverbrennungsanlagen, industrielle Mitverbrennungsanlagen sowie in Ersatzbrennstoffkraftwerke investiert.

Das Forschungsinstitut PROGNOS schätzt, dass bis zum Jahr 2008 eine Kapazität von knapp 18,5 Millionen Jahrestonnen Abfall in Müllverbrennungsanlagen bereit stehen wird, darüber hinaus weitere 2,44 Millionen Jahrestonnen in EBS-Kraftwerken und 1,4 Millionen Tonnen für Mitverbrennungen. Dem gegenüber stehen nur rund 18,1 Millionen Tonnen zu behandelnde Abfälle für Müllverbrennungsanlagen und ein mögliches Potential von rund 6 Millionen Tonnen für Ersatzbrennstoffe aus Siedlungsabfällen – unter Berücksichtigung der derzeit in Zwischenlagern befindlichen heizwertreichen Abfälle.

Somit kann bereits für 2008 bzw. 2009 von einem ausgeglichenen Verhältnis zwischen Kapazität und Abfallaufkommen ausgegangen werden.

Bis 2015 rechnet PROGNOS mit einem weiteren Ansteigen der Kapazitäten in Müllverbrennungsanlagen auf fast zwanzig Millionen Tonnen und in EBS-Kraftwerken auf annähernd neun Millionen Tonnen, jährlich die Menge der thermisch zu behandelnden Abfälle sowie der Ersatzbrennstoffe auf rund 23 Millionen Jahrestonnen zurückgehen wird. Die Überkapazitäten betragen demnach über fünf Millionen Tonnen. Darüber hinaus wurden in den letzten Jahren in den Niederlanden große Anlagen in Betrieb genommen. Der frühere Restmüllexport nach Deutschland findet seither nicht mehr statt.

Diese Entwicklung wird nach Einschätzung von PROGNOS gravierende Folgen auf die Preisentwicklung haben: Der durchschnittliche Behandlungspreis aller Müllverbrennungsanlagen lag 2006 bei 173 € je Tonne. Aufgrund der absehbaren Überkapazitäten rechnet das Institut mit einem mittelfristigen Rückgang der Preise auf ca. 100 bis 130 €. Langfristig werde wieder mit Preisen unter 100 € zu rechnen sein.

Trotz der sich bildenden grenzüberschreitenden Verwertungsströme in Europa, die als zusätzliche Chance gesehen werden können, erwartet der BDE einen zunehmenden Preiswettbewerb um die Abfallströme. Für die Mitgliedsunternehmen des BDE bedeutet das, ihre bisherigen Planungen noch gründlicher und sorgfältiger als vorher auf den Prüfstand zu stellen. Bei Überkapazitäten und hohen Fixkosten wird sich der Preis an der freien Menge neu ausrichten.

Da gerade im Hausmüllbereich große Mengen langfristig vergeben werden, verbleibt daher nur eine geringe freie Menge. Es ist also zu erwarten, dass sich die Überkapazitäten insbesondere auf den Gewerbeabfallmarkt auswirken werden. Für die Betreiber der Anlagen – mehrheitlich kommunale Unternehmen oder Zweckverbände – liegt in dieser Entwicklung aufgrund der hohen getätigten Investitionen ein erhebliches Risiko.

Auch für die Betreiber von EBS-Kraftwerken dürfte es schwieriger und teurer werden, Brennstoff zu beschaffen.

Gleichzeitig sind Überkapazitäten bei der Beseitigung Gift für die Recyclingwirtschaft. Je billiger die Beseitigung, desto weniger rechnen sich Investitionen in innovative Recyclingtechnik.

Hochwertige Wiederverwertung rechnet sich nur, wenn der Preis für die Beseitigung nicht wieder aufgrund der Überkapazitäten zum Dumpingpreis wird. gh

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