Informationen

Wohin geht unser Müll?

Informationen >>

Manche nehmen es mit der Entsorgung nicht so genau

Von Ralf Feldmann

Waldeck-Frankenberg im Dezember 2009

Als in den vergangenen Wochen die Abfallkalender 2010 in die Briefkästen flatterten, fiel auf, dass die Trennungs- und Entsorgungskategorien immer vielfältiger werden. Speziell für die Abfälle, die nicht in die vorhandenen Tonnen oder Säcke gehören oder passen.

So werden für Korbach und Umgebung 14 verschiedene Arten von Sonderentsorgung angeboten von A wie Altauto bis T wie Tintenkartuschen. Wir Deutschen sind sprichwörtlich sehr akribisch, wenn es um Sortieren und Sammeln geht.

Die Sorge, wo diese Produkte dann letztendlich landen, oder wo und wann uns die Reststoffe dann in Luft, Wasser oder Boden wieder begegnen, erfüllt viele Bürgerinnen und Bürger mit Unbehagen. Nach Störfällen, wie dem im Müllheizkraftwerk Korbach und dem nachgewiesenen unkontrollierten Quecksilberausstoß im Sommer 2009 macht sich Besorgnis breit, welche unentdeckten Schadstoffe aus dem Müll in die Umwelt gelangen und unsere Gesundheit und die unserer Kinder belasten.

Müllentsorgung ist in der nachindustriellen Gesellschaft zu einem sehr komplexen und profitablen Geschäft geworden, spätestens seit die Gesetzgeber die Deponien geschlossen haben oder die Deponierung von Abfällen auf wenige Produkte reduzieren. Damit wurde flächendeckend die so genannte Kreislaufwirtschaft eingeführt, mit dem Ziel, möglichst alle Abfälle einer energetischen oder stofflichen Verwertung zuzuführen. Republikweit sind Dutzende von Müllheizkraftwerken und Verbrennungsanlagen erstellt worden, die nun um die Versorgung mit Brennstoffen
wetteifern.

Wohin verschwindet nun unser Müll? Der Abfall von insgesamt rund 170.000 Menschen wird auf dem Gebiet des Kreises eingesammelt, teils vorsortiert und verzweigt sich dann in verschiedene Himmelsrichtungen zur Verwertung oder Entsorgung.

Auch in Waldeck-Frankenberg ist der Kreis entsorgungspflichtig, die Kommunen sind einsammelpflichtig. Manche übernehmen dies mit eigenen Kräften und Fahrzeugen, wie die Kernstadt Korbach, andere Gemeinden beauftragen Entsorgungsunternehmen. Hausmüll und Sperrmüll werden dann in den Müllumladestationen in Bad Wildungen und Geismar sowie der Entsorgungsanlage in Flechtdorf angenommen, vorsortiert und von dort aus weiterer Verwertung zugeführt. In Flechtdorf geschieht dies zunächst durch eine mechanische Vorsortierung in recycelbare Wertstoffe, wie Metalle (Eisen- und Nicht-Eisen verschiedener Fraktionen), organische Stoffe sowie Restmüll, der dann abtransportiert und je nach Heizwert unterschiedlich thermisch verwertet wird. Letztlich landet fast alles, was früher deponiert wurde und was irgendwie verbrennbar ist, mit oder ohne entsprechende „Aufarbeitung“ als Ersatzbrennstoff bei der Zementindustrie, entsprechenden Müllheizkraftwerken oder Verbrennungsanlagen.

Nach Aussagen von Betriebsleiter Egbert Blanc ist es allerdings eher „unwahrscheinlich“, dass unser Müll aus Waldeck-Fankenberg als Brennstoff im heimischen Müllheizkraftwerk landet. Für die Entsorgung des Abfalls im Kreis ist exklusiv die eigens gegründete „Entsorgung Waldeck-Frankenberg“ (EWG), eine Kooperation der Firmen Fehr und Stratmann, zuständig, die auch die Abfall-Aufbereitungsanlage in Flechtdorf betreibt. Als Deponie hat Flechtdorf seit dem 15. Juni 2009 im Wesentlichen ausgedient. Nur bestimmte mineralische Abfälle werden noch zur Deponierung angenommen (wir berichteten). Ansonsten verschwindet der seit 1973 abgelagerte Müll nicht nur unter einer aufwändigen meterdicken Abdeckung aus Kunststoffdichtung und Ton- und Lehmschichten, sondern auch aus dem Gedächtnis vieler. Die Entwässerung geschieht über eine eigens erstellte Kläranlage. Und eins ist klar: weitere Messungen und Kontrollen des Gesamtsystems werden die Behörden des Kreises und deren
Nachkommen noch rund 50 weitere Jahre beschäftigen.

Elektromüll und Leuchtstoffröhren werden getrennt gesammelt und entsorgt. Die Verwertung von Papiermüll gestaltet sich im Vergleich wenig aufwändig. Die Inhalte der blauen Tonnen werden meist relativ direkt den Papierfabriken, wie einem Unternehmen in Diemelstadt zugeleitet.

Der Verpackungsmüll aus den gelben Säcken wird an Sammelplätzen (wie Flechtdorf) zu Großeinheiten zusammengestellt und mit Großtransportern zu Sortieranlagen außerhalb des Kreisgebietes transportiert, wo er meist automatisch in unterschiedliche Kategorien sortiert und aufgearbeitet wird.
Die Abfälle aus den Biotonnen werden in den kreiseigenen Kompostwerken in Flechtdorf und Geismar zu Kompost. Strauchabfall wird zu etwa einem Drittel aufgearbeitet und in Flechtdorf im eigens errichteten Biomassekraftwerk in Energie umgewandelt, die dann ins Netz des regionalen Versorgers eingespeist wird.

Auch Privatunternehmen, wie die Firmen Gross und Unger in Korbach beteiligen sich am Müllgeschäft, nehmen bestimmte Abfälle (meist gegen Gebühr) entgegen, haben aber ihre eigenen Wege der Entsorgung, meist Verbrennungsanlagen. Bei der Müllsammlung im Kreisgebiet, vor allem bei der riesigen Menge von involvierten Privathaushalten und Gewerbebetrieben ist es wahrscheinlich, dass Schadstoffe in den Müllkreislauf eingebracht
werden.

Rest- und Sperrmüll wird nach Aussage der Entsorger einer „Wareneingangskontrolle“ unterzogen. Die mechanische Trennung des Mülls in den Sortieranlagen offenbart dann allerdings auch sehr deutlich, dass es einige Bürger offensichtlich mit der Entsorgung von Glühlampen und Batterien nicht sehr genau nehmen.

Auch wenn das System Metallteile, wie Akkus herauszieht, bleibt die Frage: was ist mit anderen Giftstoffen? Die gehen dann womöglich weiter, unter anderem in die Verbrennungsanlagen, um dann je nach Grenzwertdefinition, vielleicht wieder irgendwann bei den Menschen anzukommen.

Zurück